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November: Ein aktueller Einblick in die Pferde-Wissenschaft: Rechtshändige/-hufige Pferde zeigen eine optimistischere Persönlichkeit als linkshändige/-hufige Pferde. In der aktuellen Studie “Evidence for Right-Sided Horses Being More Optimistic than Left-Sided Horses” konnte dargestellt werden, dass Pferde, die bevorzugt mit dem rechten Vorderbein aus einer stehenden Position loslaufen, eine optimistischere Persönlichkeit zeigen...... zurück zu News

Wie kommt es zu dem Zusammenhang zwischen der motorischen Seitigkeit (motorische Lateralität) und den Persönlichkeitsmerkmalen Optimismus und Pessimismus, dem sogenannte „Cognitive Bias“?
Dies ist der Aufgabenteilung in der Informationsverarbeitung beider Gehirnhälften zuzuschreiben, die mit der jeweils gegenüberliegenden Körperhälfte und damit auch mit den Vorderbeinen verbunden sind. Die Neigung Informationen bevorzugt in der rechten oder linken Gehirnhälfte zu verarbeiten spiegelt sich daher im bevorzugten Gebrauch des rechten oder linken Vorderbeins wieder (motorische Lateralität). Pferde, die das linke Vorderbein bevorzugen werden daher häufiger Rückzugsverhalten zeigen als rechts-seitige Pferde.

Was kann das Persönlichkeitsmerkmal „Cognitive Bias“ über das Pferd aussagen?
Es spiegelt die mentale Gesundheit des Pferdes wieder und ist daher ein Indikator für das Tierwohl. Es konnte beispielsweise gezeigt werden, dass Pferde nach einer Verbesserung der Haltungsform optimistischer wurden. Des Weiteren könnte es auch einen Aufschluss über die Stressanfälligkeit des Pferdes geben und so ggf. bei der Verbesserung der Zucht von weniger stressanfälligen Pferden helfen. In menschlichen Studien wurde bereits gezeigt, dass ausgeprägt pessimistische Menschen eher zur Entwicklung von Depressionen und/oder Burnout neigen. Dass auch Pferde unter schlechten Haltungsbedingungen depressionsähnliche Symptome entwickeln können, wurde ebenfalls bereits in Studien dargestellt. Ein etwaiger Zusammenhang zwischen dem Cognitive Bias und der Stressanfälligkeit bedarf nun weiterer Studien.

Wie wird die Ausprägung von Optimismus und Pessimismus (Cognitive Bias) am Pferd gemessen?
Bei Menschen lässt sich so etwas leicht per Fragebogen feststellen. Bei Tieren ist das jedoch wesentlich aufwendiger. Prinzipiell definiert sich der Cognitive Bias als Verzerrung der Wahrnehmung von neutralen Reizen ins Positive (Optimismus) oder Negative (Pessimismus). Pferde werden zunächst darauf trainiert unterschiedliche Positionen (rechts und links) einer Box zu unterscheiden. Auf einer der beiden Positionen ist die Box immer „positiv“, d.h. das Pferd kann die Box öffnen und sich die Futterbelohnung aus der Box holen. Auf der anderen Position ist die Box immer „negativ“, d.h. die Box ist verschlossen und das Pferd kommt nicht an das Futter heran. Das Pferd lernt zwischen den beiden Positionen der Box zu unterscheiden, was sich darin zeigt, dass es signifikant schneller zur positiven Position läuft, wenn die Box dort platziert wurde, als zur negativen Position, wenn die Box hingegen da platziert wurde, die es dann oft gar nicht mehr besucht. Dann folgt erst der eigentliche Test, in dem die Box nun in die Mitte (neutrale, unbekannte Position) zwischen den beiden trainierten Positionen platziert wird und beobachtet wird, ob das Pferd diese neutrale Position innerhalb einer vorgegebenen Zeit besucht, weil es diese als positiv einstuft und den Zugang zur Futterbelohnung erwartet (Optimist, positiver Cognitive Bias). Oder, ob es diese neutrale Position nicht besucht, weil es diese eher als negativ einstuft und keinen Zugang zum Futter erwartet (Pessimist, negativer Cognitive Bias). Diese zeitaufwendige Prozedur ließe sich nun verkürzen, indem stattdessen das bevorzugt verwendete Vorderbein beim Loslaufen beobachtet wird, denn die Pferde, die das rechte Vorderbein bevorzugten waren deutlich schneller an der neutralen Position (Optimisten), als die Pferde, die das linke Vorderbein bevorzugten (Pessimisten), die die neutrale Position oft gar nicht besuchten.

Wichtig ist‼️ Motorische Lateralität hat nichts mit der körperlichen Schiefe zutun. Sie müssen als eigenständige Faktoren betrachtet werden, können sich aber gegenseitig beeinflussen, müssen aber nicht.

Detaillierter Informationen findet ihr in der Publikation:
https://www.mdpi.com/2076-2615/8/12/219


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